Die Öko-Schlange in Dessau

Team Süd zu Gast im Umweltbundesamt

Kommt doch vorbei, falls ihr noch Zeit in Eurem Terminplan findet - schreibt uns das Umweltbundesamt. Und da Dessau auf unserer Rückreiseroute liegt, machen wir Halt und laden auf – und das obwohl Samstag und damit eigentlich kein Behördentag ist. Magnus Maier und Christoph Zinsius zeigen uns trotzdem ihren Arbeitsplatz: ein buntes schlangenförmiges Gebäude, Photovoltaikanlagen auf dem Dach, Wärmespeicher im Boden. 900 Mitarbeiter beschäftigen sich hier mit Umweltfragen – im Auftrag der Bundesregierung.


Fotos: Thielko Grieß, Sina Fröhndrich, Katharina Hamberger.

 
Das Umweltbundesamt (UBA) wurde 1974 gegründet. Es unterstützt die Bundesregierung durch wissenschaftliche Beratung und führt Umweltgesetze aus. Außerdem hat das Umweltsiegel “Blauer Engel” hier sein zu Hause.

“Im Dorf sagen sie, wir haben einen Knall”

Familie Pötting meint es ernst: Ihr Bio-Hof in der Nähe von Paderborn ist ein Umsteigerland in Kleinformat.

“Kommt doch bei uns auf dem Hof auf einen Tee vorbei”, schreibt Anja Pötting auf unseren Blog. Scharmede in Ostwestfalen, das liegt einigermaßen auf unserer Route. Also fahren wir hin und bleiben gleich über Nacht – in einem alten Truppenwagen, den die Pöttings für Gäste im Garten stehen haben.

Rote Sonne überall
Das erste, was wir bei der Ankunft auf dem Hof sehen, ist eine große rote „Atomkraft? Nein Danke“-Sonne. Sie prangt an einer Fahne neben dem Eingang. Dann begegnet sie uns auf Broschüren, auf einer selbstgebastelten Kerze und auf einem Sticker an Luzis Kinderwagen.

Ein Baby, fünf Erwachsene und viele Tiere
Luzi, vier Monate alt, ist der jüngste Spross der Familie Pötting. Zu der gehören außerdem Mama Anja, Papa Marius, OnkelKilian und die Großeltern. Sie alle leben gemeinsam auf dem Hof: mit Kühen, Pferden, Schafen, Gänsen, Hühnern und jeder Menge Energie – eigener Energie.

Eine Umsteiger-Familie
Angefangen hat es mit Opa Pötting, genannt Mampo, der als erster im Dorf eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach installierte. 12 Jahre ist das her. Sohn Marius und dessen Frau Anja legten noch einen drauf: weitere Solaranlagen, Elektroauto und Stromwechselpartys mit selbstgebackenem AKW-Kuchen.

Doch der größte Stolz der Pöttings ist – neben Luzi natürlich – ihr eigenes Windkraftwerk. Es steht auf einer großen Wiese in Sichtweite des Hofs. Team Nord ist hinaufgeklettert: Anfangs euphorisch, dann atemlos und am Ende begeistert von der Aussicht.

Den Aufstieg zu hören gibt’s hier

Stromspeicher dringend gesucht

Sie waren auf unserer Reise durchs Umsteigerland allgegenwärtig: die Energiespeicher. Im Handy, im Auto, im Laptop. Hier funktionieren sie meist wunderbar – mal von der kurzen Reichweite unseres E-Mobils abgesehen. Wo sie noch nicht funktionieren: beim Objekt unserer Reise-Begierde, den Erneuerbaren Energien. Bislang gibt es keine Möglichkeit den Strom, den sie erzeugen, für längere Zeit zu speichern. Deshalb stehen zum Beispiel oft so viele Windräder still. Wenn ihr Strom nicht gebraucht wird, dann dürfen sie ihn erst gar nicht produzieren.

Aber es soll sie geben, die fleißigen Forscher, die in Deutschland ihre Zeit in Laboren verbringen, um dieses Problem zu lösen. Die Suche nach ihnen gestaltet sich nicht so einfach, denn diese Wissenschaftler sind selten. Am Ende hat Team Süd doch noch einen gefunden: Ulrich Zubenbühler ist ein waschechter Schwabe und möchte, dass der Strom, den Sonne, Wind und Wasser erzeugen, in Form von Gas gespeichert wird. Dieses Gas kann dann in die bestehenden Erdgasleitungen eingespeist werden. Damit lässt sich in Kraftwerken wieder Strom gewinnen – oder auch ein Auto betanken. Wie das funktioniert, versucht er mit möglichst einfachen Worten an seinem Forschungsstandort, dem Zentrum für Solarenergie- und Wasserstoffforschung (ZSW) in Stuttgart, zu erklären. Und es fühlt sich an wie Chemieunterricht im ersten Jahr.

Einmal zur Sonne und zurück

Hoch hinaus geht es an diesem Sonnentag in der Oberpfalz. Ein Teil von Team Süd steigt  – mit Aufnahmetechnik bewaffnet – die lange Leiter zum Dach von Christian Dürr nach oben. Dort werden gerade Photovoltaik-Platten montiert. Immer schön eine nach der anderen heben die Handwerker von einem kleinen Aufzug. Unten steht Wolfgang Meier, Geschäftsführer der Firma Suntec. Auch wenn er im Moment Aufträge hat – positiv blickt er nicht in die Zukunft seiner Branche.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Weiterlesen

Können wir Sie anzapfen?

Alleine geht es nicht.

Nach einem Tag stellt Team Nord fest: Lange Strecken mit dem Elektroauto sind nichts für schwache Nerven oder Menschen in Eile.

Auf der Suche nach Strom in Magdeburg haben wir spontan beim Fraunhofer Institut angerufen. Dort wird an der Zukunft von Energiesystemen geforscht. Zum Beispiel an intelligenten Lademöglichkeiten für Elektroautos.

Da sind Stromzapfsäulen Pflicht. Zuerst mussten wir allerdings in der Tiefgarage auf dem altmodischen Weg für Platz sorgen. Die institutseigenen Elektroautos waren platt. Sie sind so intelligent, dass sie festgestellt haben: Hey, wir werden nicht benutzt, also entladen wir uns doch. Weiterlesen

Die Sonnenbranche wehrt sich

Wie verschafft sich eine Branche Gehör, die lange auf der Sonnenseite des Umsteigerlands gestanden hat? Sie geht auf die Straße. Es ist der 05. März 2012 und etwa 10.000 Demonstranten haben sich vor dem Brandenburger Tor versammelt. Der Auslöser: Wirtschafts- und Umweltministerium haben sich auf eine Novelle des EEGs geeinigt – auf eine neuerliche Kürzung der Solarförderung. Neuerlich deshalb, weil bereits zum 01.  Januar  2012 gekürzt wurde, die nächste Runde war erst für den 01. Juli geplant.

Das war im März und seitdem ist die nächste Kürzungsrunde immer noch auf dem politischen Verhandlungstisch. Wir fassen den Streit um die Solarförderung zusammen und schildern unsere Eindrücke vom Aufbegehren der Sonnenkinder.

Fakten und Zahlen – 14 Antworten zur Energiewende

EEG-Umlage, Onshore, Kaltreserve. Die Energiewende – das ist auch ein Katalog vieler Begriffe, Fakten und Zahlen. Wir haben den Energieexperten des Deutschlandfunks, Georg Ehring, gebeten, ein paar zentrale Fragen zu beantworten. 14 Fakten zur Energiewende.

Foto: Sina Fröhndrich.

1. Wie sieht der Strommix aus?
Knapp die Hälfte kommt aus Braun- und Steinkohle (2011: 44 %), 18 % aus Atomenergie – mit abnehmender Tendenz. Die erneuerbaren Energien – also Strom vor allem aus Wind, Biomasse, Solarenergie und Wasser – haben im vergangenen Jahr die Atomkraft überholt und kommen zusammengenommen auf 20 %. Ein bedeutender Energieträger ist auch Erdgas mit 14 %.

Weiterlesen